Glauben feiern

Der 2. Grundvollzug der Kirche: Die Liturgie

liturgie

Eine Kirche, die immer weniger Gottesdienste feiert, verliert an Kraft und Ausstrahlung. Deshalb ist es wichtig, dass die vielen Gemeinden und Seelsorgeeinheiten unserer Diözese Orte lebendiger und vielfältiger Gottesdienstkultur sind. Vielen Verantwortlichen und Gläubigen in unserer Ortskirche ist es ein großes Anliegen, diese zu erhalten, aber auch neu zu entwickeln. Dieser Sehnsucht muss Raum gegeben werden.

Wir feiern Gottesdienste, weil es um Gott, die Menschen und das Leben geht.

Wir feiern Liturgie, weil wir allen Grund haben, Gott zu danken und zu ehren.

Wir feiern Gottesdienste im Kontext vieler Lebenssituationen, von der Geburt bis zum Tod, ja über den Tod hinaus, bei freudigen Ereignissen und in Situationen der Not und der Trauer.

Wir feiern Gottesdienste, weil wir damit zum Ausdruck bringen, welche Hochachtung wir Gott und dem Leben entgegenbringen.

Im Feiern erhält das Leben eine andere Qualität. Dies erleben wir in persönlichen, privaten Feiern, in gesellschaftlichen Feiern und natürlich auch in gottesdienstlichen Feiern. In Gottesdiensten werden die Dinge über das Alltägliche hinausgehoben, werden in einen neuen Sinnzusammenhang gestellt, erfahren so eine neue Dimension und Qualität, werden zu Feiern des Glaubens.

Freude und Tiefe sind Merkmale unserer Gottesdienste. Sie sind Orte des Beschenktwerdens. Aus dieser Erfahrung heraus laden wir andere ein, mit uns zu feiern.

Und wie sich jede Feier auf den Alltag auswirkt, tun dies auch die gottesdienstlichen Feiern, besonders wenn sich die Mitfeiernden treffen und anregen lassen. Dann erwachsen Konsequenzen für das alltägliche Handeln. Die Botschaft Gottes, die gefeiert und gelebt wird, wird so zur Feier des Lebens.

Vielfalt des Lebens – Vielfalt gottesdienstlicher Feiern

Die Vielfalt des Lebens spiegelt sich auch in der Vielfalt unserer gottesdienstlichen Feiern wieder. Die Feiern der Sakramente begleiten die Christen vom Beginn bis zum Ende des Lebens. Die sonntägliche Feier der Eucharistie ist Wegbegleitung über die Höhen und durch die Tiefen des Lebens. Gleiches gilt auch für Wort-Gottes-Feiern. Die Feste des Kirchenjahres ermöglichen es, Gottes Heilswirken im Feiern erfahren zu können. Weitere Gottesdienste greifen besondere Situationen und Anlässe aus dem Leben der Menschen auf.

Wenn heute viele Menschen nicht mehr in die Kirchen zu den Gottesdiensten kommen, müssen wir vermehrt mit unseren Gottesdiensten zu den Menschen gehen. Räumlich wie inhaltlich. So ist nicht mehr nur die Kirche Ort gottesdienstlicher Versammlungen, sondern auch Heime, Krankenhäuser, Schulen, Hallen, Einrichtungen, öffentliche Plätze, Straßen etc. Und die Freude, die Hoffnungen, die Ängste und Sorgen der Menschen sind auch unsere Freude, Hoffnungen, Ängste und Sorgen (vgl. Pastoralkonstitution Kirche in der Welt von heute). Die Lebensthemen der Menschen spielen eine wichtige Rolle und dies bringt zum Ausdruck: Wir möchten Gottes Nähe und Zuwendung zu den Menschen bringen – Ausdruck seiner Sehnsucht nach den Menschen. Missionarisch Kirche sein bedeutet dort zu sein und zu feiern, wo die Menschen sind; präsent zu sein, unaufdringlich, einladend.

Zu berücksichtigen ist auch, dass viele Menschen wenig oder gar keinen Zugang zu Glaube und Kirche haben, dass sie verschiedenen Milieus angehören. Hier bedarf es besonderer Anstrengungen und Angebote. Respekt und Wertschätzung erfordern es, die Menschen in ihrer Glaubens- und Lebenssituation ernst zu nehmen. Dies bedeutet, wir gestalten Gottesdienste und andere Feierformen für die, die in der gottesdienstlichen Tradition der Kirche verwurzelt sind, aber auch für die, die darin wenig geübt sind und auch für die, denen diese Tradition fremd ist.

Die Bandbreite des Lebens bietet zahlreiche Anlässe für gottesdienstliche Feiern.

Es gilt kreativ, vom Leben ausgehend, solche Anlässe aufzuspüren und entsprechende Feierformen zu entwickeln. Anlässe ergeben sich aus persönlichen Biographien (Lebenswenden, bedeutende Ereignisse, berufliche Veränderungen), kommunale und gesellschaftliche Ereignisse (Jubiläen, Gedenktage, …), Situationen gemeinsamer Trauer und Betroffenheit.

Lebendiger Gottesdienst

Die Liturgie vor Ort lebt von den Menschen, die sie feiern und gestalten, die mitwirken und Verantwortung übernehmen. Sie lebt von den Ausdrucksweisen und den Wahrnehmungsweisen der Menschen. Mit allen Sinnen Gottesdienst feiern, mit Geist und Körper mitfeiern, ganzheitlich Gottesdienst feiern. Sprache und Musik, Gesten, Zeichen und Symbole sind wesentliche Elemente dieser Feiern.

Viele, sehr verschiedene Menschen feiern mit. Eine gewisse Anzahl von ihnen übernehmen konkrete liturgische Dienste und tragen so zur Gestaltung der Feiern mit und bringen zum Ausdruck, dass die ganze Gemeinde Trägerin liturgischer Feiern ist.

Aus der eigenen Sehnsucht heraus sorgen sich Verantwortliche und Gruppen in der Diözese, den Seelsorgeeinheiten und Gemeinden um eine lebendige Gottesdienstkultur. Im Pfarrgemeinderat, im Liturgieausschuss, in Gottesdienstvorbereitungsgruppen, in Liturgiekreisen arbeiten Ehrenamtliche und Hauptberufliche zusammen.

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